P2P – macht das langfristig Sinn?

Hallo Zusammen,

in den letzten Tagen habe ich mich für das Thema P2P Kredite interessiert. In vielen Blogs findet man nun Beiträge und Informationen, manchmal sogar Empfehlungen für diese verzinste und riskante Investmentform. Es boomt scheinbar so richtig im deutschsprachigen Raum – vor allem in den Baltischen Staaten sprießen die Plattformen wie die Schwammerl nach dem Regen. Und Europäische Anleger schicken offensichtlich wirklich viel Geld mangels der Renditen auf ihren Sparbüchern dort hin.

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Kostenloses Bild von https://pixabay.com

Das technische betrifft das Peer to Peer System, nachzulesen bei

https://de.wikipedia.org/wiki/Peer-to-Peer

Sagen wir es mal ganz einfach – ich überweise wem Geld und hoffe es verzinst zurück zu bekommen. Jeder muss sich überlegen wohin und wieviel Geld man in ein Investment anlegt. Davor sollte man sich mal über das Risiko des Verlustes klar werden. Ich kann schon auf einige Verluste bei Aktien (-100% bei einer Insolvenz) und Anleihen (bis -70%) zurückblicken um mir nun etwas Zeit zu nehmen um meine spontane Investmentfreude für ein neues Produkt vorab zu bremsen.

Manchmal ist es ja simpel zu entscheiden – ich las z.B. einiges über Bitcoin & Co. und werde es wohl technisch nicht mehr verstehen – also vertraue ich dem Thema Kryptowährung nicht und ich lehne es als Anlage ab. Bei Optionen mag ich den Zeitdruck nicht und ich kann Mister Market nicht rauf oder runter schicken wie die Kurse laufen sollen. Das sind Wetten auf steigende oder fallende Kurse und es erinnert mich ein bisschen im Spielkasino auf rot / schwarz oder gerade / ungerade zu setzen. Also das sind zwei Investmentformen die ich schnell für mich ausgeschlossen habe.

Bei meinen Crowd Investments war es auch klar. Ich habe vor den ersten Investments mit dem Plattform Betreiber „dasErtragReich“ persönlich gesprochen und auch mit den Geschäftsführern der ersten beiden Firmen die das Darlehen erhalten haben. Eine Antriebsfirma habe ich selbst besichtigt und ein Weingut besucht. Das fördert mein Vertrauen – aber es gibt auch keine Garantie.

Bei den P2P sehe ich es nun persönlich etwas differenzierter. Es ist ohne Zweifel ein Risikoinvestment auf Basis des Internets. Drehen die mal einfach die Homepage ab und melden Insolvenz an? Ist es vielleicht ein Schneeballsystem das erst zusammenbricht wenn viele Ihr Geld zurück fordern? Ich bin mal positiv und denke es wird vor allem bei einer längeren Laufzeit kontrolliert werden.

Aber glaube ich auch langfristig an dieses Modell? Das vergeben von Krediten ist wohl so alt wie es Währungen gibt. Quasi ein simples und verständliches Geschäftsmodell. Und dass Menschen oder Firmen mehr oder weniger liquide sind und somit unterschiedliche Zinsen zahlen müssen verstehe ich auch. Und seit der Finanzkrise 2007 – 2008 gestiegenen Vorgaben für Banken in Europa macht es den Banken komplexer und Schuldnern auch nicht leichter Kredite zu bekommen.

Nach einigen Finanzblogs die neutral darüber berichtet haben fand ich jedoch dass sehr viele Baltische Plattformen bereits existieren. Auflistung in der Geldmarie siehe hier:

http://www.geldmarie.at/crowdinvesting/

Selbstverständlich wird sich das regulieren aber Estland hat nun mal nur ca. 1,3 Mio. Einwohner. Wenn nun so eine Plattform europaweit Geld sammelt, z.B. Bondora die es bereits seit 2009 gibt…

http://www.geldmarie.at/banken/anlage-in-kredite-bondora.html

https://www.bondora.com/de/ref/marcow3

und lt. Ihrer Info bereits 168 Mio. EUR eingesammelt hat muss viele Kredite auf wenige Leute verteilen. Ok, nach Ihren Angaben haben sie auch Marktanteile mit ein paar Finnen und Spanier die Schulden bei Ihnen machen 🤔

Weiters erhalten nun schon werbende Finanzblogs Provisionen um neue Investoren an Bord zu bringen – das kostet einiges und ist das „nur“ die Ungeduld der Plattformbetreiber?

Also meine erste Euphorie über das Produkt Go & Grow von Bondora bekam nach ein paar Stunden also ein paar Schrammen – nicht wegen der Rendite die für Ihr Produkt maximal 6,75% angeboten wird – sondern dass die europaweit zu viel Geld bei 740 Mio. Einwohner einsammeln könnten und es schwerer wird immer ausreichend Schuldner zu finden? Und in der bunten Plattform findet man viele positive Info was man als Investor von Ihnen bekommt – aber kaum Info wie Sie Ihr eigenes Geschäft weiter betreiben oder entwickeln.

Also komme ich mal zu meiner persönlichen Entscheidung und ich mag ein „Vielleicht“ bei Investments überhaupt nicht! Also ein JA für ein P2P aber wegen Bedenken beim Risiko mit strenger Reduktion beim Betrag und es gibt auch kein großes erstes Investment. Persönlich wäre meine Schmerzgrenze beim solch einem Risiko 5 TEUR pro einzelnem Investment in z.B. Crowd Investments oder Darlehen an kleine Firmen.

Um meine angeführten Bedenken beim Risiko zu reduzieren und weiter gut schlafen zu können werde ich das als monatliche Sparform nutzen. Wenn ich es dazu parallel wie bei einem Bausparvertrag 100 EUR monatlich investiere sind das Ende 2019 mal 1.200 EUR, wenn ich es weiter laufen lasse sind frühestens in ca. 4 Jahren meine maximale Risikogrenze erreicht. Somit „spiele ich mit“ und bin dabei und werde das einfach beobachten.

Dieses „Standardprodukt“ von Bondora habe ich ausgewählt und ist jederzeit kündbar – somit würde ich das trotz all dem Risiko dazu als Liquidität als Anlageklasse in meinem Portfolio zuordnen. Soweit sind mal meine Überlegungen dazu – bis Anfang Jänner sind ja noch ein paar Tage Zeit ob das die erste neue Depotposition in 2019 wird.

Dieses Thema P2P hat insofern bei mir keine Priorität weil ich keine verschiedenen Plattformen oder Angebote weiter verfolgen werde. Es wird mittelfristig also mal max. 1% der Investmentsumme ausmachen. Die Verzinsung erfolgt nicht als regelmäßige Cash Einnahme sondern nur als steigender Depotwert. Steuerlich sehe ich es wie ein Crowd Investment – wenn ich Zinsen als Cash erhalte muss ich es in der Einkommenssteuer melden.

Also werde ich P2P Kredite wirklich langsam angehen und wachsen lassen. Das ist auch für mich ein persönlicher Test für Ausdauer und Geduld wie lange ich das Investment dort sammeln werde.

Verwendet Ihr diese P2P Kredit Investments oder wie ist Eure Meinung dazu?

Eine schöne Adventszeit und Viele Grüße

Bergfahrten

 

 

 

 

 

9 Kommentare zu „P2P – macht das langfristig Sinn?

  1. Hallo Bergfahrten,
    entweder ich habe es überlesen oder du kannst es noch kurz schreiben…hast du mit anderen Portalen verglichen, wie z.B. Auxmoney?
    Ich bin nun seit über 2 Jahren bei Auxomeny mit einem kleinen Betrag dabei und muss sagen, habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht und pro Jahr ca. 7-8% p.a. Ertrag erhalten.

    Auf jeden Fall dir viel Erfolg bei Bondora und berichte gerne mal, wie es läuft.
    Viele Grüße
    FJ

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  2. Hallo FJ,
    danke für die Antwort. Es stimmt, ich habe keinen Portalvergleich gemacht sondern nur mal für mich eine JA/NEIN Entscheidung zum Thema P2P getroffen. Für Österreich habe ich mir https://www.lendico.at angeschaut das wenig aktiv erscheint. Danke für den Tip mit Auxmoney – das macht schon einen recht transparenten und positiven Eindruck. Deren Angebote werde ich mir auch noch mal anschauen. Hast du viele kleine Beträge investiert oder sammelst du auf einem Produkt?
    Danke & Viele Grüße
    Bergfahrten

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  3. Hallo Bergfahrten,
    ich habe testweise einmal einen Betrag investiert und wollte schauen, wie sich dieser entwickelt. Die erhaltenen Zinsen reinvestiere ich, sobald sich inkl. Tilgungen 25 EUR angespart haben. So kann ich in viele kleine Projekte investieren und streue mein Geld ganz gut. Aus meiner Sicht hat sich das in den 2 Jahren ganz gut bewährt.
    Viele Grüße und einen schönen 3. Advent
    FJ

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  4. Hallo FJ,
    Danke, du hast da schon dein mögliches System gefunden! Ich bin in der Zwischenzeit auch mal in die „Details“ von Auxmoney eingestiegen. Die Voraussetzung dazu ist aber für mich als Anleger ein Deutsches Bankkonto zu haben und ich möchte mir nicht für das P2P Thema eines dafür anlegen. Meine Bankverbindungen versuche ich möglichst „Small and simple“ zu belassen.
    Weihnachtliche Grüße aus dem Weinviertel in Niederösterreich 🏡
    Bergfahrten

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  5. Hallo Bergfahrten,
    du zeigst auf, wo eben auch Grenzen sein können. Allerdings sehe ich die Gefahr, das die Schuldner ausgehen, nicht als sehr hoch an. Denn viele Meschen haben ihr Leben lang Schulden und werden somit immer neue Kredite benötigen.
    Gruß
    Jan

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  6. Hallo Jan,
    danke für den Kommentar! Es stimmt, ich habe mal versucht die Risiken festzuhalten um für mich klar zu werden was dieses Investment für mein Depot bedeutet. Fakt ist schon – wenn man viel Geld einsammelt muss man viele Kredite vergeben. Um das zu schaffen kann man die Zinssätze senken oder einfach die „Sicherheiten“ der Schuldner reduzieren – was wieder zu mehr Zahlungsausfällen führen kann. Mal sehen, jedenfalls mache ich u.a. deshalb kein großes Erstinvestment.
    Viele Grüße
    Bergfahrten

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  7. Würde ich eher die Finger davon lassen. Die Börsen krachen und eine Rezession wird herbei gebetet. Dann wird sie auch kommen. Da wird es viele Kreditausfälle geben und im Gegensatz Einstiegskurse für Aktien. Wo auch immer der Boden sein wird. Meine Vermutung werden wir 2013 – 2015 Kurse sehen. Nicht schön für mich, da ich relativ spät eingestiegen.

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  8. Hallo Caffeine,
    danke für deinen Kommentar! Deshalb funktioniert das System Börse – es gibt fast immer Käufer die eine Chance und Verkäufer die das Risiko sehen 😉 Ich versuche deshalb nie die Zukunft vorauszusagen oder sogar den Markt zu schlagen. Aber ich werde auch keine Verluste realisieren. Wie du sagst – der Boden kann heute erreicht sein, morgen, nächstes Jahr oder vielleicht erst 2020? Interessiert mich wenig solange ich mit meinen Mix aus Einnahmen, Gold und den Notgroschen für den Alltag durchkomme. Und das P2P hat sicher viel Risiko – vielleicht spare ich dort 2019 ein paar hundert EUR und brauche es dann am Ende des Jahres schon wieder für mein Leben? Es bleibt sicher weiterhin spannend und
    viele Grüße
    Bergfahrten

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