Investor oder Privatier ☀️

Hallo Zusammen,

Hoppala, Mr. Trump bellte gestern und Mr. Market verkauft heute – auch keine Überraschung vor dem Wochenende. Trotz des täglichem Auf und Ab an der Börse ändere ich diesen persönlichen Beitrag nicht mehr, sorry 😉

Die Erklärung für meinen aktuellen beruflichen Status ist manchmal schwierig – und brachte mich Anfangs öfters ins Schleudern. Die oft wiederkehrende Frage lautet – was machst du jetzt eigentlich? In den Medien findet man eine fast passende Beschreibung mit FIRE „Financial Independence, Retire Early“, deren Bedeutung „Finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand“ bezeichnet. Es passt ganz gut aber damit kann man diese Frage nicht antworten. Und für mich als Individuum ist das auch wirklich keine Erklärung 😉

Eines Tages werde ich die richtigen Worte finden, und sie werden einfach sein.                  Jack Kerouac (1922 – 1969)

Erstmals über die Frage nachgedacht habe ich vor etwas mehr als 2 Jahren. Ich hatte 2017 keinen passenden Job gefunden – und ich wollte somit dieses Projekt der finanziellen Unabhängigkeit starten. Vor mir lag das Formular um mich selbst bei der Krankenversicherung zu versichern um mir diese möglichst günstig selbst bezahlen zu können. Eines der Pflichtfelder dort hieß „Beruf“ aber was sollte ich dort hinschreiben?

Für die Vergangenheit hätte ich wie gewohnt „Industriekaufmann“ hingeschrieben, das war ja auch 36 Jahr meine Ausbildung und der Job. In dem Moment wo ich das Formular ausfüllte war ich aber noch „Arbeitslos“ – aber damit hat das AMS (Arbeitsmarktservice) für mich die Versicherung bezahlt.

Also musste ich einen Beruf für die Zukunft angeben – bzw. den ich bis zur Pension durchführen wollte. „Kaufmann“ oder „Selbstständig“ war zu allgemein und hätte wohl zu Rückfragen geführt. Da ich geplant hatte mein Einkommen im wesentlichen aus Aktien zu erzielen habe ich dann „Investor“ hingeschrieben.

Damals hätte ich ja schon das Wikipedia befragen können – habe ich erst jetzt gemacht. Also zu dieser begrenzten Auswahl zähle ich aber nicht… https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Investor

Und das Wort Anleger oder Privatanleger beschreibt ja wirklich keinen Beruf? Vielleicht hätte Privatier gepasst, aber das ist auch keine wirkliche Tätigkeit. Für mich ist es ok – und die Krankenkasse hat den Antrag bearbeitet und genehmigt. Aber manchmal frage ich mich in welchen behördlichen Datensammlungen das nun steht 😉

Schwieriger ist es manchmal im Freundes und Bekanntenkreis? Vor allem wenn man länger nicht den Kontakt gepflegt hat wird es spannend. Zumeist beginnt es mit den drei wahrscheinlichsten Möglichkeiten

  1. Bei welcher Firma arbeitest du jetzt? – Bei keiner.
  2. Bist du arbeitslos? – Nein.
  3. Bist du schon in Pension? – Nein.

Keiner hat bisher gefragt ob ich selbstständig bin – das liegt wohl daran dass in meinem Freundeskreis das eher selten ist. Wie auch immer, es folgen fragende Blicke oder  Kopfschütteln und mein Versuch das Rätsel zu lösen.

Wem ich mag und gut kenne sage ich am liebsten – Vormittags kümmere ich um meinen Bauernhof, Haushalt und Garten und nachmittags checke ich meine Finanzen und führe einen Internet-Blog. Das passt recht gut und nur selten fragt jemand nach weiteren Details.

Wem ich nicht mag sage ich dass ich mich zur Zeit auf die Pension vorbereite – passt auch, ist aber nichts sagend und beendet das Thema zumeist.

Manche Bekannte kenne ich dass die Frage mit einer Tätigkeit beantwortet werden muss. Dann habe ich ein Computerprojekt (Blog) und arbeite von zu Hause.

Also ich bin Jahrgang 1965 und ich habe 1980 zu arbeiten begonnen! Mein „Ausstieg war 2017 mit 52“ und das hat persönlich und für mich wirklich gut gepasst. Nach nun fast 2 Jahren kann ich auch sagen – man hat wirklich viele Vorteile und einige wenige Nachteile. Im Leben gibt es selten weiß oder schwarz – manchmal grau aber hoffentlich doch die meiste Zeit bunt 🤗

Was mich aber manchmal erstaunt ist die junge Generation der Blogger „Mit 30 bin ich reich“ und „Das ist mein Weg zur finanziellen Freiheit“ oder ähnliche Finanztitel dazu. Die wissen noch nicht dass das Leben kein langer gleichmäßiger Fluss ist sondern einige Stromschnellen beinhaltet. Und die Medien füllen damit ihr Sommerloch 😉

https://www.n-tv.de/leben/Mit-40-in-Rente-Frugalisten-sparen-sich-reich-article21068474.html

https://madonna.oe24.at/life/Mit-30-in-den-Ruhestand/353532373

Fakt ist, man braucht am Weg zur finanziellen Unabhängigkeit einen guten Job mit sehr gutem Gehalt, Ausdauer, muss Rückschläge aushalten, oft „Nein“ sagen, Mr. Market seine Arbeit machen lassen und die ganz groben Investmentfehler vermeiden. Wenn man dazu noch am sparen und einfachen Leben Spaß hat kann man es schaffen. Eine Portion Glück gehört auch dazu um früh ein paar gute Schritte in die richtige Richtung zu machen.

Für jene die sich auf den Weg befinden wünsche ich viel Erfolg!

Viele Grüße

Bergfahrten

 

 

 

 

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14 Kommentare zu „Investor oder Privatier ☀️

  1. Hallo Christian,

    sehr schöner Beitrag. Gehört bei mir zur Rubrik „Was ich schon immer wissen wollte, mich aber nicht zu fragen getraut habe“. Ich lese deinen Blog immer wieder gerne.
    Ich finde es gut, auch mal etwas zu den Menschen hinter dem Blog zu erfahren, und nicht zum hundertsten Male, was ein ETF ist (auch wichtig, ich weiß).
    Du hast einen Bauernhof? Bist du dann auch ein bisschen Selbstversorger?
    Heute geht es wieder ganz schön nach Süden. Mal sehen, wie lange noch. Eventuell Gelegenheiten zum Nachkaufen. Muss ich mir aber noch überlegen. Bin kein spontaner Typ, alles muss immer wohl überlegt sein.

    Dir wünsche ich noch eine schöne Zeit als „Investor“. Genieße sie.

    Paul

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  2. Hallo Christian,

    Hab den Beitrag zu spät gesehen, der ist gerade aufgeploppt 🙂 Der beantwortet eine meiner Fragen die ich vorher gestellt hatte. Schön formuliert mit der finanziellen Freiheit und auch ein bischen die „Träume“ zerstört und die Leute auf den Boden der Tatsachen geholt.

    Allerdings denke ich, dass man schon sehr früh ein selbstbestimmtes Leben führen kann (was ja nichts anderes als auch finanzielle Freiheit ist, zumindest für den Tagesablauf). Ich mache das was ich will, wann ich will und wo ich will. Arbeite mit Firmen oder Menschen zusammen mit denen ich will und habe freie Auswahl. Ich bin zwar per se vom Kontostand (Investments) nicht finanziell Frei, aber leben tue ich wie ein finanziell Freier Mensch.

    In einem Punkt gebe ich dir mehr als 1‘000% recht, man muss gut und am besten viel verdienen. Ich habe mir ja damals ausgerechnet, was ich alles als Arbeitnehmer verdiene kann, wo bzw. viel ist der Deckel. Mitunter einer der Gründe wieso ich gekündigt habe und meine Nebenbeschäftigungen nun Vollzeit mache und mich dem Unternehmertum widme. Wobei der Hauptgrund natürlich Selbstverwirklichung und das Folgen der Leidenschaft ist (Selbstbestimmt Leben).

    Grüsse aus Zürich
    Thomas

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  3. Hallo Paul,
    man sollte öfters fragen finde ich und Danke für deinen Kommentar!
    Ja ich wohne auf einen Bauernhof und etwas Obst und Gemüse habe ich selbst. Selbstversorger ist zuviel, ich nutze schon in der Saison die Sachen, mache mal Marmelade aber sonst habe ich einen netten Greißler wo ich mich versorgen kann.
    Mit dem Überlegen bei der Korrektur ist gut und schadet sicher nicht – ich habe immer in längeren Phasen zu früh und teuer nachgekauft.
    Vielen Dank, diese Phase als aktiver Investor macht mir auch viel Spaß!

    Viele Grüße
    Christian

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  4. Hallo Thomas,

    jeder soll versuchen seinen Traum zu leben – aber Geld zu sparen und zu investieren ist nun mal ein langfristiges Projekt oder Ziel.

    Zum Punkt Freiheit gebe ich dir Recht – solange ein Job oder eben Projekt einem erfüllt und Freude macht passt es. Wenn man in einem Hamsterrad läuft ist es besser sich einen anderen Job zu suchen oder eben einen Plan B zu suchen.

    Stimmt – eine Leidenschaft dazu gehört auch. Wenn man Unternehmer sein will sollte man es zumindest versuchen. Zufriedener ist man damit wohl auch. Mir hat mein Job auch die ersten 27 Jahre Spaß gemacht – dann bin ich 2007 leider falsch abgebogen, bin 9 Jahre herumgeirrt, habe noch 1 Jahr gesucht und seit 2017 passt es für mich wieder perfekt.

    Viel Erfolg und Alles Gute für dein Unternehmen und deine Pläne!

    Liebe Grüße
    Christian

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  5. Servus Christian,

    vielen Dank für deinen persönlichen und spannenden Beitrag. Eckpunkte waren bereits bekannt und du schreibst mit deiner Lebenserfahrung. Einer Lebenserfahrung die schon mehrere Crashs der Märkte erlebt hat und du damit auch gelassener wirst. Das fehlt natürlich der jüngeren Generation, weil es die letzten 10 Jahre nur rauf ging. Ist aber eben so, das Schicksal der früher oder später Geborenen.

    Ich finde du schreibst und lebst mit viel Demut. Danke für die Zeit und dass du uns hier mitleben lässt!

    Liebe Grüße,
    Andreas

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  6. Hey Christian,

    wieder mal ein Super Beitrag 🙂 Du hast Recht ein gutes Einkommen in Verbindung mit einer hohen Sparquote und einer Langen Zeit sind der Schlüssel zur Unabhängigkeit, was gerade viele Buzz-Word-Blogs außen vor lassen. Insofern finde ich es spannend bei Dir zu sehen, was möglich ist, wenn man beharrlich sein Ziel verfolgt.

    Mich würde interessieren wie es Dir persönlich in Crash-Jahren ging, als dein Portfolio stark im Minus war, hat sich das bemerkbar gemacht durch ein höheres Stresslevel oder sonstwie?

    P.s. ich habe auch eine Ausbildung zum Insdustriekaufmann absolviert :).

    Liebe Grüße
    Marco

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  7. Hallo Andreas,

    ach die Börse ist ja doch zumeist wie das Wetter – man muss es nehmen wie es kommt und kann es wirklich nicht beeinflussen. Und an Market Timing glaube ich auch nicht 😉 aber man kann gute Firmen mit zu teuer gekauften Aktien mit Geduld kann wieder in die Gewinnzone bringen.

    Liebe Grüße
    Christian

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  8. Hallo Marco,

    eine kaufmännische Ausbildung ist nicht das schlechteste für die Börse 😉

    Also die Crash-Zeiten fangen halt nur mit einer Korrektur an – also interessiert man sich weiter für ALLES und kauft schon bei 10% Abschlägen zu viel nach. Wenn es dann so 20-30% runter ging hatte ich sowieso meist keine Liquidität mehr zum nachkaufen. Und ich habe somit das Interesses an der Börse deutlich reduziert, Job, Hobby, Sport, Fitnesscenter, Kultur viel Abwechslung halt.
    Die schlechten Nachrichten mochte und wollte ich gar nicht mehr hören. Ich glaube nicht dass ich dann noch monatlich meine Depots ausgewertet habe – zum Jahresabschluss bekommt man einen Depotauszug für die Ablage 😬 Dann kommt die Phase bis minus 40-50% wenn man das registriert empfand ich eher Galgenhumor – aber ich glaube im Nachhinein auch im Crash ist keine einzelne Firma pleite gegangen. Tatsache ist die Welt geht nicht unter und die Sonne geht sicher wieder auf. Da ich nicht weiß ob es eine Korrektur mit -10% oder ein Crash mit -50% behaupte ich arrogant: niemand weiß es – auch nicht Mr. Market der geht nur nach täglichen Stimmungen! Es gibt einen Fehler – das ist auf die SELL Taste mit Verlusten zu reagieren – ist aber auch nur meine Meinung und Strategie.
    Da hilft es eben leider nur cool bleiben und geduldig abwarten bis sich die Kurse wieder nach Norden gehen.
    Liebe Grüße
    Christian

    Gefällt 1 Person

  9. Hallo Christian!

    Ich habe über den Finanzrocker-Podcast auf deine Seite gefunden. Ich bin, wie Du, aus Österreich und mich interessiert vor allem was notwendig ist, um „in Österreich Privatier zu sein und zu überleben“ 🙂

    Speziell interessiert mich, was man alles benötigt und welche Kosten hier anfallen.
    Mir fällt hier speziell die Krankenversicherung ein. Wie und wo muss/kann man diese abschliessen, was kostet diese?
    Benötigt man sonst noch etwas?
    Vielleicht kannst Du ja einmal kurz beschreiben, welche Ausgaben in welcher Höhe Du pro Monat hast (Krankenversicherung, Versicherungen, …)?
    Und auch der Weg (notwendige Behördengänge, notwendige Ab- und Anmeldungen (Krankenkasse, AMS, PVA?)) wäre sehr interessant!

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!

    Mit vielen Grüßen
    Erich

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  10. Hallo Erich,

    Danke für deinen Kommentar. Betreffend deinen Fragen, ich bin hier aber kein Spezialist für Versicherungen.
    Also ich habe zuerst als Wiener die WGKK angeschrieben. Jetzt bin ich bei der NÖGKK weil ich übersiedelt bin. Es gibt zwei Formulare,
    einmal den Antrag auf Selbstversicherung in der Krankenversicherung und eines Antrag auf die Herabsetzung der Beitragsgrundlage der dann jährlich erfolgen muss.
    Je nach jährlichem Einkommen bekommt man von der GKK einen Versicherungsnachweis und beträgt dort zwischen 100 bis 400 EUR monatlich.
    AMS Abmeldung war schriftlich und formlos – es gibt dann eine gewisse Frist wie lange man sich doch wieder anmelden kann.
    Mit der PVA hatte ich ein informelles Telefonat aber nichts schriftlich gemacht, die jährliche Kontoübersicht bekomme ich weiterhin.

    Die Eigenheim- und Autoversicherung ist unverändert und sonst war kein Behördenweg notwendig.

    Viele Grüße
    Christian / Bergfahrten

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  11. Hallo Christian!

    Danke für deine Antwort. Ich entnehme dieser, dass der Betrag an die Krankenkasse nicht fix ist? Ich hatte irgendwo recherchiert, dass dieser EUR 427 pro Monat ist.
    Aber wenn ich Dich richtig verstehe, dann kann dieser zwischen 100 und 400 EUR pro Monat liegen.
    Wovon ist das abhängig? Dividenden sind schon versteuert – aber werden diese dann in der Einkommenssteuererklärung angegeben?

    Viele Grüße
    Erich

    Gefällt 1 Person

  12. Hallo Erich,

    also ich hatte vorab der Anträge der GKK ein Mail geschrieben wie das geht und wieviel es kosten wird. Die Antwort der GKK stand im letzten Kommentar min. 100 und max. 400 per Monat.
    Dem Antrag auf Senkung habe ich meine Wertpapierdepots zum 31.12. und eine Dividendenaufstellung übermittelt. Wie die Kalkulation der GKK funktioniert weiß ich nicht – aber mit meinen Dividendeneinnahmen bin ich am unteren Bereich. Ob das für 2020 auch so bleibt weiß ich erst nach der jährlichen Berechnung der GKK?

    Das FA und die GKK sind unterschiedlich. Wenn deine Bank die 27,5% KESt. abzieht musst du keine extra Einkommensteuererklärung machen. Ich hingegen muss Einnahmen von Crowd Investments und ein Depot extra mit der Einkommensteuererklärung – Einkünfte aus Kapitalvermögen – Beilage E1kv melden. Wird spannend ob meine Kalkulation für 2019 mit der Berechnung vom FA übereinstimmt 🤔

    Viele Grüße
    Christian / Bergfahrten

    P.S.: Ein Steuerberater macht das für ein paar 100 EUR im Jahr wohl auch wenn man die Unterlagen gut vorbereitet.

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  13. Hallo Christian!

    Danke für deine Antwort.
    Vielleicht sollte ich mir den Besuch bei einem Steuerberater einmal ansehen. 🙂

    Mit vielen Grüßen
    Erich

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